|
Warum heißt unsere Schule
Pfarrer-Graf-Schule?
 |
Hören wir Namen von
Schulen, so wissen wir in den meisten Fällen über die Namensgeber etwas auszusagen, oder aber es genügt, in einem Lexikon
nachzuschlagen, um sich hierüber zu informieren.
Bei dem Namensgeber unserer Schule ist dies
nicht möglich.
Woran liegt das?
Max
Graf wurde am 8.11.1884 als Sohn von Maria Josefa Graf geb. Brenner und Balthasar Graf in Hambrücken geboren.
Max
Graf wuchs in der damals weitgehend von der Landwirtschaft geprägten Gemeinde Hambrücken auf.
Zu jener Zeit zählte Hambrücken 1330 Einwohner.
|
Schule und Studium
Zunächst besuchte Max Graf
die Volksschule in Hambrücken. Der damalige Ortsgeistliche,
Pfarrer Paul Weckesser, entdeckte bald, dass Max Graf ein begabter
Schüler war und förderte diesen auch außerhalb der Schulzeit.
Er erhielt von diesem Pfarrer Lateinstunden, um einen Übergang aufs Gymnasium
vorzubereiten.
Zwei Jahre lang dauerte die private
Unterrichtung durch Pfarrer Weckesser. Während dieser Zeit besuchte
Max Graf weiter die hiesige Volksschule.
Mit 14 Jahren verließ Max Graf Hambrücken,
um in Sasbach bei Achern in die Lendersche Lehranstalt einzutreten.
Das Erziehungsziel dieses kirchlich getragenen Internats war,
begabten Volksschülern aus ganz Baden die Chance zu geben, die
Mittlere Reife und später auch das Abitur zu erreichen.
Nach der Mittleren Reife in Sasbach trat
Max Graf in das Rastatter Gymnasialkonvikt ein. Dort bestand er
1906 das Abitur und schloss ein Studium der Theologie an.
Seine Tätigkeit als Seelsorger
Max Graf wurde am 6. Juli
1910 zum Priester geweiht. Am 13. Juli 1910 feierte er in seinem
Heimatort Hambrücken seine Primiz.
Von 1910 bis 1921 arbeitete
er als Vikar in verschiedenen Gemeinden des Landes. Trotz
gesundheitlicher Behinderung - schon 1910 machte ihm seine
Blutarmut und eine Nervenschwäche zu schaffen - übte er seine
Tätigkeit als Seelsorger vorbildlich aus.
Diese ersten Tätigkeiten wurden durch den
Ausbruch des 1. Weltkrieges empfindlich beeinflusst.
Auch der Seelsorge stellten sich dadurch
neue Aufgaben. Gerade 29 Jahre alt und kriegsuntauglich
geschrieben, begann er einen regen Briefwechsel mit den Soldaten an
der Front, besuchte und tröstete Angehörige von Gefallenen.
Am Ende des Krieges breitete sich unter der
Bevölkerung oft Resignation aus. Mit dem Zusammenbruch der Monarchie
drohte eine Radikalisierung auf allen Bereichen. Die Unruhen der
Revolution, das Werden der jungen deutschen Republik, die Notjahre
der Nachkriegszeit stellten Max Graf vor ganz neue seelsorgerische
Aufgaben.
In den Jahren 1921 - 1926
wirkte Max Graf als Kaplaneiverweser in Kuppenheim und übernahm 1926
- 1937 die Pfarrei Whyl am Kaiserstuhl. Hier aktivierte Max Graf vor
allem das Vereinsleben und nahm sich mit besonderem Eifer des
Kirchengesanges an.
Da sich Max Graf auch stark in den
Jugendvereinen engagierte, konnte es nicht ausbleiben, dass seine
Vorstellungen und Erziehungsziele sich mit denen des
Nationalsozialismus kreuzen würden. Es dauerte auch nicht lange,
bis die Schwierigkeiten offen auftraten.
In diesen Zeitraum in Whyl fallen die
Weltwirtschaftskrise und die daraus resultierende hohe
Arbeitslosigkeit, die politische Radikalisierung mit dem Ziel, die
demokratische Regierung zu stürzen und schließlich das Aufkommen der
NSDAP.
Am Ende dieses gewaltigen
Umwälzungsprozesses stand die Machtergreifung Hitlers im Jahre 1933
und die Errichtung des totalitären Naziregimes in Deutschland.
Durch raffiniert angelegte
Täuschungsmanöver war es Hitler 1933 gelungen, Kirchenbehörden und
das gläubige Volk vorübergehend zur Treue gegenüber dem neuen Staat
zu bewegen.
Die wirkliche Gesinnung Hitlers, für den
Verträge nur das Papier wert waren, auf dem sie geschrieben waren,
zeigt sich in folgender Gesprächsnotiz:
"Das Alte und das Neue
Testament sind jüdischer Schwindel. Man ist entweder Christ oder
Deutscher. Beides kann man nicht sein. Wir werden das Christentum in
Deutschland ausrotten, und zwar mit Stumpf und Stiel, mit allen
seinen Fasern und Wurzeln."
Ende 1933 fanden erste
Überfälle der Hitlerjugend auf Mitglieder der katholischen und
evangelischen Jugend statt. Wer sich zur Kirche bekannte, wurde
verspottet und lächerlich gemacht. Schließlich wurden alle
konfessionellen Jugendverbände verboten und alle Jugendlichen
gezwungen der Hitlerjugend beizutreten.
In den Kirchen wurden Predigten überwacht
und Tausende von Geistlichen und Ordensleute verhaftet und in
Konzentrationslager gebracht. Viele von ihnen wurden in "Schauprozessen"
abgeurteilt, z.B. wegen angeblichen Devisenvergehens.
Durch den fast
aussichtslosen Kampf um die Gesinnung der deutschen Jugend, nervlich
bereits stark geschwächt, trat Max Graf 1937 in der kleinen Gemeinde Unteralpfen bei Waldshut seinen Dienst als Pfarrer an. Im
Religionsunterricht versuchte er zu retten, was noch zu retten war.
Aufgrund der gegensätzlichen
Meinung über die Erziehung der Jugend hatte Pfarrer Max Graf bald
Feinde, sowohl unter seinen Kollegen in der Schule, wie auch unter
den ein-flussreichen Anhängern der nationalsozialistischen Partei in
der Gemeinde.
Die entscheidende Predigt und ihre
Folgen
Die für seine spätere
Verhaftung entscheidende Predigt hielt Pfarrer Max Graf am 14. Mai
1944, am Bittsonntag, worin er sich zum Sinn und Zweck des
Bittgebetes äußerte.
Diese Predigt bot für die
Personen, für die Pfarrer Max Graf schon längst ein Dorn im Auge
war, die Gelegenheit.
Pfarrer Max Graf sagte in dieser Predigt unter anderem, dass im letzten Krieg - gemeint war der erste
Weltkrieg - manche Mutter für ihren Sohn um eine glückliche Heimkehr
gebetet habe. Später nach dessen Rückkehr habe sie sich sagen
müssen, es wäre besser gewesen, er wäre auf dem Feld der Ehre
gefallen, als nachher eine Familie unglücklich zu machen. Er fügte
dann noch hinzu, es wäre besser gewesen, wenn mancher aus dem
letzten Krieg nicht mehr heimgekommen wäre, der andere ins Unglück
gestürzt hat.
Diese Predigtstelle wurde
innerhalb kürzester Zeit zum Dorfgespräch. Sie wurde verdreht und
verzerrt, so dass es bald hieß, Pfarrer Max Graf hätte gepredigt, es
sei "einer" zu wenig gefallen, was einige Parteigenossen auf
sich selbst oder sogar auf Hitler bezogen.
Daraufhin wurde Pfarrer Max
Graf offen beschimpft und Drohungen gegen ihn ausgestoßen.
Er bemühte sich um eine
Richtigstellung der Predigtstelle bei dem damaligen
Ortsgruppenleiter, was ihm zunächst auch gelang.
Seine Gegenspieler sorgten jedoch weiter
dafür, dass das falsche, verdrehte Gerede weiter verbreitet wurde.
6 Wochen nach der
verhängnisvollen Predigt erhielt Pfarrer Max Graf dann die
Aufforderung, sich am 3. Juli 1944, um 15 Uhr, bei der Gestapo in
Waldshut einzufinden.
Auch hier konnte er dem Gestapochef Müller
klar machen, dass seine Predigt vom 14. Mai verdreht und unwahr
wiedergegeben wurde.
Da weitere Zeugenaussagen am Morgen
desselben Tages in Unteralpfen nichts einbrachten, konnte er als
freier Mann wieder nach Hause gehen.
Er nahm seine
Seelsorgertätigkeit wieder auf. Aber hinter seinem Rücken wurde
weiter gegen ihn geschürt. Jedenfalls muss im Hintergrund eine
erneute Anzeige erfolgt sein, so dass Pfarrer Max Graf eine zweite
Vorladung zum Verhör in Waldshut zuging. Er sollte am 11. Oktober
1944 um 10 Uhr bei der Gestapo in Waldshut erscheinen.
Doch bereits am Abend vorher, dem 10.
Oktober 1944 erschien die Gestapo gegen 22.30 Uhr vor dem Pfarrhaus
in Unteralpfen und nahm Pfarrer Max Graf fest. Gegen Mitternacht
wurde er dann im Gefängnis in Waldshut in eine Zelle eingewiesen.
Seine Zeit im Waldshuter Gefängnis
Aus all seinen Briefen, die
er während seines Gefängnisaufenthalts in Waldshut an seine
Schwester und Freunde schrieb, sprach die Hoffnung auf einen guten
Ausgang, aber auch eine gewisse Vorahnung auf ein schlimmes Ende.
Ebenso wird daraus ersichtlich, dass Pfarrer Max Graf kein typischer
Widerstandskämpfer gegen das Naziregime war. Er wollte nur ein
bescheidener Geistlicher sein und seine Arbeit in Ruhe und Frieden
verrichten. Dass er trotzdem verhaftet wurde, ist einzig und allein
das Resultat einiger fanatischer Nazianhänger gewesen, die alle
Hebel in Bewegung setzten um dem "Pfaffen" einen Denkzettel zu
geben.
Letzte Station "KZ Dachau"
Ohne dass es einen Prozess
oder gar eine Verurteilung gegeben hätte, wurde Pfarrer Max Graf am
7. Februar 1945 ins Konzentrationslager Dachau eingeliefert.
Offizielle Unterlagen über
die Unterbringung von Pfarrer Max Graf im KZ in Dachau sind nicht
vorhanden, da die Zustände in den Konzentrationslagern gegen
Kriegsende immer katastrophaler wurden.
Weitere Informationen über Pfarrer Max Graf
kommen aber von Mithäftlingen, die den Krieg - und damit das
Konzentrationslager - überlebt haben.
Pfarrer Max Graf bekam die
Häftlingsnummer 140 809. Er wurde dem Block 27, Stube 1, dem
Zugangs- und zugleich Seuchenblock, zugewiesen, d.h. Sterben war
hier an der Tagesordnung.
Aufgrund seiner
angeschlagenen Gesundheit wurde er bald vom Flecktyphus infiziert.
In dem Seuchenblock starben normalerweise innerhalb eines Monats
mehrere hundert Mann an dieser Seuche. Wenige Tage vor seinem Tod
wurde er noch ins Revier (Lagerlazarett) verlegt. Obwohl auch hier
haarsträubende Zustände herrschten, musste es als eine Art
Vergünstigung angesehen werden, hier sterben zu dürfen.
Pfarrer Max Graf starb am 25. April
1945.
Seine Leiche wurde zwar
routinemäßig zum Krematorium gebracht, doch waren sie gegen
Kriegsende nicht mehr in der Lage, die unzähligen Leichen zu
verbrennen.
So stapelten sich die ausgemergelten
Leichen zu Hunderten.
Auch Pfarrer Max Grafs Leichnam blieb
liegen bis zur Befreiung des Lagers Dachau am Sonntag, den 29.April
1945, durch die amerikanischen Truppen.
Am 8. Mai 1945, 13 Tage nach Pfarrer Grafs
Tod, war der 2. Weltkrieg zu Ende.
Erinnerungen an Pfarrer Max Graf
Als bleibende Erinnerung an
das Opfer von Pfarrer Max Graf steht heute in Unteralpfen sein
Gedenkkreuz. An alle Opfer erinnert heute auf dem Gelände des
ehemaligen Konzentrationlagers die Gedenkstätte KZ Dachau.
In seiner Heimatgemeinde
Hambrücken erinnert an Pfarrer Max Graf die Grund- und Hauptschule
mit Werkrealschule, die seinen Namen trägt.
 |